29.04.2026

Regelbasiertes Routing für Niedersachsen

Das Bundesland Niedersachsen hat die Firma Graphmasters GmbH damit beauftragt, ein flächendeckendes regelbasiertes Routing (policy-aware Routing) und zugleich lastenverteiltes Routing zu etablieren. Ziel ist es, Verkehr nicht ausschließlich nach individueller Reisezeit zu lenken, sondern verkehrspolitische, infrastrukturelle und organisatorische Vorgaben systematisch in die Routenführung einzubeziehen.

Ein wichtiger Meilenstein dabei: Die von Graphmasters entwickelte Navigationssoftware begleitet bereits heute rund 8-10 % aller Autofahrten. Damit ist eine relevante Marktdurchdringung für policy-aware Routing im Alltag der Niedersachsen erreicht – ein Ansatz, den kein klassischer Navigationsanbieter derzeit produktiv ausliefert. Die Navigation erfolgt direkt im Fahrzeug, beispielsweise über Apple CarPlay oder Android Auto, und erreicht die Verkehrsteilnehmenden genau dort, wo Routenentscheidungen getroffen werden.

Mehr als klassische Navigation

Klassische Navigationsdienste sind auf individuelle Wegefindung optimiert. Was ihnen jedoch fehlt, ist die Fähigkeit zur Lastenverteilung und zur verbindlichen Umsetzung regelbasierter Routenvorgaben. Genau hier setzt der Ansatz von Graphmasters an: Er verbindet hochwertige, veröffentlichungspflichtige Verkehrsdaten mit strategischer Verkehrssteuerung und macht diese unmittelbar im Fahrzeug nutzbar.
Dass dieser Ansatz bereits heute einen relevanten Teil des Verkehrs begleitet, unterstreicht seine Praxistauglichkeit und Skalierbarkeit.

Zentrale Vorgaben – offene Publikation – automatische Umsetzung

Eine zentrale Rolle übernimmt die Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen / Region Hannover. Sie definiert konkrete Regeln und Zielvorgaben für die Verkehrslenkung, etwa bei Großereignissen, Messen, Konzerten oder besonderen Verkehrslagen.
Diese Vorgaben werden in der Traffic-Information-Plattform (TIP) des Landes Niedersachsen gepflegt und anschließend standardisiert veröffentlicht, unter anderem über die Mobilithek des Bundes. Auf diese Weise können alle Service-Provider gleichermaßen auf die Daten zugreifen. Gleichzeitig kommt das Land seinen gesetzlichen Transparenz- und Veröffentlichungspflichten nach, wie sie unter anderem in der aktuellen Fassung des Intelligent-Verkehrssysteme-Gesetzes (IVSG) geregelt sind.

Die eigentliche Umsetzung in konkrete Fahrtrouten erfolgt in Niedersachsen vollautomatisch: Das Routing der NUNAV Navigation nutzt diese veröffentlichten Regeln und kombiniert sie mit Echtzeit-Verkehrsdaten sowie kollaborativen Rückmeldungen der Nutzenden. Auf diese Weise werden die Fahrstrecken für alle Verkehrsteilnehmenden, Pendlerinnen und Pendler, Ortsfremde, flexible Alltagsverkehre, Flotten und Anlassverkehre, so gewählt, dass der Gesamtverkehr optimal verteilt wird.

Während Verkehrsplanung bislang häufig nur einzelne Zielgruppen und geplante Anreiseverkehre adressiert hat, ermöglicht die Kombination aus regelbasiertem und kollaborativem Routing erstmals eine gleichzeitige, situationsabhängige Steuerung aller Verkehrsarten – ohne zusätzlichen Personaleinsatz, sondern datengetrieben mithilfe der KI von Graphmasters.

Ein weiterer Vorteil: Andere Bundesländer könnten diesen Ansatz ohne Neuentwicklung von Grund auf übernehmen. Durch den vorhandenen Policy-Server und die produktiv eingesetzte Navigationslösung lassen sich Regelwerke, Datenflüsse und Routinglogik modular adaptieren und Ländergrenzen-übergreifend herstellen.

Veröffentlichungspflichten, Datenqualität und TISA-5-Star-Rating

Wie im NERZ-Artikel des Newsletters aus Dezember 2025 zu den Veröffentlichungspflichten von Kommunen und Städten dargestellt, kommt der Qualität und Standardisierung von Ereignis- und Baustellendaten eine zentrale Bedeutung zu. Führende Service-Provider wie TomTom, HERE und Google Maps haben sich auf europäischer Ebene im Rahmen der TISA auf das RTTI-5-Star-Rating als gemeinsamen Qualitätsmaßstab verständigt. Mit dem landesweiten Ansatz in Niedersachsen besteht nun die Chance, diese Datenqualität flächendeckend sicherzustellen und konsistent in Navigations- und Routingdienste einzubringen.

Bedeutung für Forschung und Praxis

Für den NERZ e.V. ist dieses Projekt ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich Regulierung, Datenstandards und KI-basierte Routingverfahren zu einem integrierten Verkehrsmanagementansatz verbinden lassen. Niedersachsen bietet sich damit als Blaupause für andere Bundesländer und Regionen an, die policy-aware Routing ohne grundlegende Neuentwicklung einführen möchten.

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